Von Alexander Jung – Technischer Direktor, Adventist Media Education Network (AMEN e.V.)

Alexander Jung

Nachdem wir schon 2015 wunderbare Erfahrungen in der Turkana machten, war dieses Jahr der Plan eine solarbetriebene Tiefbrunnenpumpe in das 2016 gebohrte Bohrloch zu installieren.
Ursprünglich war geplant, die erforderlichen Geräte und Materialien zu besorgen und alles selbst zu montieren, da der Kostenvoranschlag durch ansässige Firmen für uns nicht realisierbar war. So nahmen wir die Logistik selbst in die Hand und fanden auch tatsächlich nach einiger Recherche eine renomierte deutsche Firma, die auf dem Gebiet der Wasserförderung tätig ist und letztendlich die benötigte Technik für ein Drittel der zuvor angesetzten Kosten anbot. In Nairobi angekommen, vereinbarten wir einen Termin. Nach einem Beratungsgespräch war uns klar die Installation ganz der Firma zu überlassen, da die Kosten nur einen geringen Teil der dessen ausmachte, was wir anfänglich kalkuliert hatten. Zudem würden wir Zeit sparen, da wir nicht das nötige technische Equipment dabei hatten.

In der Turkana angekommen, erlebten wir eine positive Überraschung: Unsere frisch gebaute Unterkunft aus Ästen und Palmblättern mit Blick auf den Sternenhimmel.

AMEN Desert Camp 2017.

Alice, eine der vielen Geschwister und Frau eines der Dorfältesten, die nach der Evangelisation 2015 getauft wurde, hatte uns während der ganzen Zeit unaufgefordert geholfen. Sie konstruierte unsere Unterkunft, eine Küche und selbst ein Badezimmer. Sie kümmerte sich oft um das Essen, das Geschirr und hielt auch den Schlafplatz in Ordnung. Sie kam und ging, ohne das man sie so recht wahrnahm, doch ihr wirken hinterließ Spuren.

 

Alice baut aus Palmenblättern gekonnt unsere Küche.

Wegen der knappen Zeit die wir hatten mussten wir uns auch gleich an die Arbeit machen, es waren zwei Gräben von knapp einem halben Meter Tiefe durch felsigen Boden zu graben. Einer ca. 125 m vom Bohrloch zum Wassertank und der andere ca. 180 m vom Wassertank an die Grundstücksgrenze, um dort ein Wasseranschluss für die Dorfbewohner zu platzieren.

In rekordverdächtiger Geschwindigkeit graben sich die Mitarbeiter durch die Felsen.

Wir entschieden uns, die Menschen aus dem Dorf in die Arbeit zu integrieren. Peter, unser Bibelarbeiter und Evangelist vor Ort, gab die Information an die umliegenden Nachbarn weiter.
Wir staunten nicht schlecht, als 6 Uhr früh am nächsten morgen eine große Anzahl von Helfern sich einfand, weit mehr, als wir erwartet hatten.

Nicola instruiert die Helfer über die anstehenden Tätigkeiten.

Es waren so viele Männer und Frauen in Begleitung einer Horde Kinder, daß der erste Graben vom Bohrloch zur Pumpe, in unglaublichen 5 Stunden fertiggestellt war. Die Männer hackten sich durch den Felsen, während die Frauen Steine und Sand aus der Umgebung auf ihren Köpfen herbeitrugen.


Ob Mann oder Frau…

…in Natuntun gab es über Wochen reges Treiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zu unserer großen Arbeitstruppe stieß noch ein Fundi (auf Kiswahili „Handwerker“) vom Nachbardorf Turkwel. Wir stellten ihn an, um die Tankkonstruktion durchzuführen. Für diesen Zweck schwärmten Frauen von alt bis jung aus und sammelten Sand und Kies und brachten alles in Plastikkanistern oder in leeren Zementsäcken auf ihren Kopf tragend auf den Hügel um es dort schön sortiert aufzuhäufen.

Bei über 40 Grad Celsius schwärmten die Helfer aus, um Baumaterial zu sammeln.

Erstaunlich, es war nicht zu sehen das sie sich irgendwie absprachen wer was sammelt, trotzalledem ging es völlig reibungslos und geordnet von statten. Vor allem wurde wie von unsichtbarer Hand geführt, von allen benötigen Materialien ausreichend und etwa gleich viel gesammelt.

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Der Fundi, der angewiesen war am Sabbat nicht zu arbeiten, hatte mit seinen Helfern das Fundament für den Wassertank noch am Freitag Nachmittag fertig gestellt. Auf Grund der permanenten Sonneneinstrahlung, sollte der Zement und Beton regelmäßig über den Sabbat gewässert werden – so die Vorstellung des leitenden Handwerkers. Da die Gefahr bestand der Rissebildung und somit das Fundament instabil würde, lehnte er jegliche Verantwortung ab. Nicola teilte ihm mit, dass es Gottes Projekt sei und wir uns definitiv daran halten werden, dass den Sabbat über keiner an dem Bauwerk arbeiten würde, nicht einmal zur Bewässerung. Er lachte etwas verlegen und dachte, wir seien etwas verrückt. Doch es wurde ihm erneut versichert, daß unsere Aufgabe sei Gott treu zu sein und seiner Fürsorge zu vertrauen. Wir beteten das Gott alles unter seine Kontrolle nehmen wolle und bereiteten uns auf unseren Sabbateinsatz in verschiedenen Dörfern vor.

Auf dem Hügel von Natuntun ragt am Horizont eine neue Konstruktion hervor.

Am Sabbatmorgen bei Sonnenaufgang sahen wir „zufällig“ aus der Ferne, wie zwei Mädchen mit gelben Wasserkanister zielstrebig auf die Tankkonstruktion zugingen und gerade dabei waren sie zu bewässern. Scheinbar musste sie jemand beauftragt haben, still und heimlich das Fundament doch zu bewässern.

Schnell eilten wir zu den Kindern und schickten sie nach Hause, um sich für den Gottesdienst vorzubereiten. Wir versicherten ihnen so gut es ohne Dolmetscher ging,  dass sich Gott darum kümmere und wir heute ruhen dürfen. Sie schauten etwas verwundert und machten sich auf den Weg nach Hause.

Kaum 15 Minuten später geschah das Unfassbare. Es zogen dicke Wolken auf und binnen weniger Minuten begann es in Strömen zu regnen. Über eine Stunde lang schüttete es so heftig, dass der Wüstenboden soweit das Auge blicken konnte, flächendeckend unter Wasser stand. Das Problem der Rissebildung am Fundament des Tankes, löste Gott ganz auf seine Weise. Auch den  ganzen restlichen Tag schoben sich immer wieder Wolken vor die Sonne, so dass die Temperaturen angenehm waren.

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Der Regen kam jedoch nicht nur zur rechten Zeit, sondern hörte auch rechtzeitig wieder auf, so dass der Gottesdienst, der bisher im Freien stattfand, nicht ausfallen musste. Bedenkt man, dass es in dieser Gegend nur wenige Tage im Jahr regnet und das auch nur zu einer gewissen Jahreszeit (das Ereignis fand zur trockensten Zeit im Jahr statt), dann wird einem bewusst: Hier hatte Gott selbst für das Wasser gesorgt. Haben wir nicht einen wunderbaren Gott?

Gottes besondere Intervention in der Turkanawüste läßt uns erinnern: Es ist Gott, der das Wasser des Lebens gibt.

Während William und ich in Natuntun für die Sabbatpredigt zuständig waren, fuhren Nicola und sein Sohn Elia 25 km weiter in ein benachbartes Dorf. Zurück vom Gottesdienst teilte er mit, dass es in Kono nicht regnete. Weitere Anfragen von Einheimischen aus umliegenden Dörfern, ergaben immer die gleiche Antwort: „Bei uns gab es keinen Regen!“ Selbst im gerade mal 3 km entfernten Turkwel regnete es nicht.

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Für uns und alle umliegenden Dörfer, die davon erfuhren, stand außer Frage: Gott sorgte für das nötige Wasser, um das Bauvorhaben nicht zu gefährden. Oder vielmehr, um die Einheimischen wissen zu lassen: Es gibt einen lebendigen Gott, der diejenigen segnet, die ihm gehorchen und treu sind. Ich wurde erneut ermutigt Lukas 16:10 fest zu Herzen zu nehmen und zu vertrauen, daß der Schöpfer auch heute noch ein Gott der Wunder ist.

Kurz nach diesen Erfahrungen, waren die Arbeiter der Firma aus Nairobi angekommen, um die Pumpe und die Solaranlage zu installieren. In gerademal drei Tagen, hatten ihre Aufgabe erledigt.

Hochleistungsfähige Solarpanele fördern zusammen mit der Tauchpumpe bis zu 5 Kubikmeter Wasser pro Stunde.

Die Pumpe wurde auch ohne Wassertank schon in betrieb genommen zur Begeisterung der Turkanas, die sich mittlerweile unsere Baustelle zum allgemeinen Versammlungspunkt erwählten.

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Einweihung der Desert Spring Institute Wasserquelle (1)

Die Menschen kamen, tranken und wuschen sich. Frauen fingen an sich gegenseitig verspielt abzuspritzen und lautstark hüpfend ihrer Freude Ausdruck zu verleihen. Die Kinder saßen teilweise Stundenlang am oder im Wasser und hatten große Freude. Wie sehr doch einfaches Wasser in der Wüste die Menschen verändert. Wer von uns in der hochentwickelten Welt denkt heute noch darüber nach, wie kostbar und grundlegend einfaches Wasser für unser Leben ist?

Einer der Höhepunkte war der Dankgottesdienst und die Segnung der neuen Quelle, die von Pastor Samuel Mbayi, President der North-West Conference durchgeführt wurde.

Vorsteher der North-West Kenya Conference Pastor Samuel Mbayi gratuliert und dankt Adventist Media Education Network für das Projekt des begonnen Bildungszentrums ‚Desert Spring‘ in der Turkana-Wüste.

Eine ständige Beschäftigung war es auch den Menschen gesundheitlich zu helfen, regelmäßig kamen Leute mit verschiedenen Beschwerden, welche zum Größten Teil durch mangelnde Bewegung und durch zu wenig Wasser innerlich und äußerlich kamen. Da bot die neue „Quelle“ natürlich eine gute Gelegenheit das alles anzusprechen und sie darauf hinzuweisen mehr Wasser zu Trinken und sich auch regelmäßig zu waschen, was noch vor Kurzem so nicht möglich war. Bei den Behandlungen erkundigen wir uns auch immer, ob Alkohol oder Tabak konsumiert wird, da sehr viele damit Probleme haben. 

Stellte man die Frage jedoch den frisch getauften Glaubensgeschwistern, bekam man begeistert mitgeteilt, daß man schon seit den Aufrufen zur Lebensübergabe und Gesundheitsunterweisungen im Jahr 2015, Alkohol und Tabak nicht mehr zu sich nehme.

Turkanafrau. © 2017 Elia N. Taubert

Als die Zeit langsam zu Ende ging, ging auch die finanziellen Mittel schnell zu Ende, da wir uns entschlossen hatten, statt Fremdfirmen, die eigenen Nachbarn zu angagieren. So hatten eine Vielzahl von Familien über Wochen hinweg ein gutes Einkommen. 

Als das Geld dann tatsächlich ausging, mussten wir ihnen mitteilen, daß wir sie jetzt nicht mehr bezahlen könnten und nur diejenigen zur Arbeit kommen sollen, die bereit waren für Gottes Werk ein persönliches Opfer bringen wollten.

Turkana sind Hirten und haben nur äußerst selten die Möglichkeit etwas für ihre Familien zu verdienen

Damit hatten wir nicht gerechnet. Am Nächsten Tag kamen wie auch die Wochen zuvor, mehr Helfer, als wir benötigten, so dass wir leider einige wieder nach Hause schicken mussten.

Auch die Versammlungen am Sabbat waren während unseres Aufenthaltes ein besonderer Segen. Mittlerweile haben die etwa 100 neu getauften Geschwister sogar einen kleinen Gemeindechor. Eines der schönsten Erfahrungen für mich waren die Sabbatgottesdienste. Die Menschen der Wüste haben Zeit und kennen keinen Zeitdruck. Niemand schaut auf eine Uhr. Viele bedauern die Menschen in der Wüste Turkana wegen ihrer Armut und kärklichen Lebensverhältnissen. Doch sind nicht wir es, die getrieben von Zeitmangel und Terminen bedauernswert sind?

Es ist einfach erstaunlich und zugleich wunderbar zu sehen, wie sehr diese Menschen bereit sind biblische Wahrheit anzunehmen und umzusetzen, wenn sie sie erkennen, daß diese wahr sind. Ich verstehe immer besser, was Jesus meinte, als er sagte: „Wahrlich ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen (Lukas 18:17).

Das AMEN Team 2017. Von links nach rechts: William Erfurt, Alexander Jung, Nicola Taubert, Peter Naakalei. Hockend: Elia N. Taubert

Die Erfahrungen, die wir bisher in der Wüste Turkana machen durften, sind wie Ströme des Segens. Nicht nur für die Turkana, denen wir Gottes Liebe mit Worten und Taten geben können – sondern auch wir dürfen uns an diesem Strom „erfrischen“ und neue Kraft schöpfen. Kraft für kommende Einsätze an den unerreichten Orten dieser Welt.

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